ARTE TV 2012

360° GEO Reportage - Bolivien, Lebensader Todesstraße

Ein Film von J. Michael Schumacher
(music composed by Markus Wegmann)

bild

© medienkontor/FFP

Zwischen dem Hochland der Anden im Westen und dem Quellgebiet des Amazonas im Osten fällt die Landschaft Boliviens um 4.000 Meter ab. Damit ist der Andenstaat das Land mit den größten Höhenunterschieden in Südamerika. Der Transport von Kaffee, Obst und Gemüse wird per Lkw über die gefährlichsten Straßen der Welt organisiert.

In Bolivien gedeihen in Höhenlagen zwischen 1.200 und 1.800 Metern in mildem, feuchtem Klima Kaffee, Obst, Gemüse und vor allem Koka-Sträucher, mit denen sich viel Geld verdienen lässt. Die Blätter dieser Pflanze helfen gegen Kopfschmerzen, Übelkeit, Hunger und die weit verbreitete Höhenkrankheit. Aber sie dienen auch zur Herstellung von Kokain. Der Koka-Anbau ist weltweit verboten - außer in Boliviens Hochland. Den Transport der begehrten Fracht über schmale, ungesicherte Passstraßen bis in die Metropole La Paz übernehmen mutige Lkw-Fahrer.

Einer von ihnen ist Bernabé Quispe, der selbst Koka-Bauer ist. Täglich steuert er seinen 24 Jahre alten Lastwagen über die wohl gefährlichste Route der Welt. Die Straße ist nur zwei bis drei Meter breit und fällt auf einer Seite 800 Meter steil ab - ohne sichernde Leitplanke. In nahezu jeder Kurve zeugen kleine Kreuze von den Opfern, die die Todesstraße bereits gefordert hat. Zwischen La Paz und der Provinzhauptstadt Coroico gibt es zwar neuerdings eine gut ausgebaute, breite Landstraße, aber zu allen anderen Orten entlang Bernabé Quispes Route führt nur die mörderische Schotterpiste. Über die transportiert er, stets begleitet von seiner Frau, Orangen und Säcke voller Koka-Blätter für den Villa Fátima Markt in La Paz. Nur hier dürfen die umstrittenen Blätter gehandelt werden. Rund 400 Euro verdient Bernabé Quispe regelmäßig an seiner Koka-Ernte. Das meiste davon spart er für einen neuen Truck, denn der alte Lkw macht immer häufiger Probleme.

An einem Sonntag im August macht sich Bernabé Quispe auf zum Titicaca-See. Dort beten jedes Jahr Tausende Bolivianer am Schrein der Jungfrau von Copacabana. Auf seinem Weg begegnet er Schamanen und auch Abenteurern, die auf Mountainbikes freiwillig die Todesstraße herunter rasen. Und er trifft einen Klimaforscher, der die Gründe für die rasante Gletscherschmelze in den Anden erforscht.


© Medienkontor 2012

← back